MINT-Experimentier-Camp in Berlin


MINT Experimentiercamp Berlin

Eröffnungsveranstaltung im Energieforum Berlin
Von links nach rechts: Stehend: S. Düwel, P. Kubiniok, Y. Zewe, L. Schwindt, K. Mischo
Sitzend: M. Eisel, St. Smolka, P. Ruth, P. Mahdavi-Sabot

Das bundesweite Experimentiercamp in Berlin stellte für die Projektschüler/innen des zweiten Durchgangs einen Höhepunkt dar. Zu diesem Camp waren bundesweit 220 Projektschüler aus mittlerweile neun Projektregionen zusammen mit ihren MINToren und den Vertrauenslehrern der jeweiligen MINT-Projektschulen nach Berlin eingeladen.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik e.V., dem Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration, der Freien Universität Berlin, dem Helmholtz-Zentrum für Materialien und Energie in Berlin, der Humboldt-Universität Berlin, der TU Berlin, dem NATLab, dem UNILab Adlersdorf, dem Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik, dem Gläsernen Labor, dem DLR-School-Lab Berlin, der orbitall raumfahrt im FEZ Berlin, dem MikroLab und DESY konnte die Stiftung der deutschen Wirtschaft (sdw) den Mintschülern eine Vielzahl von Workshops offerieren und dadurch das Facettenreichtum der MINT-Fächer verdeutlichen.

Das Camp begann mit einer Eröffnungsveranstaltung am Anreisetag im Energieforum in Berlin. Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Generalsekretär der sdw, Dr. Arndt Schnöring, und der Programmpräsentation durch die Leiterin der Schülerakademie der sdw, Fr. Cigdem Uzunoglu, konnten die Teilnehmer der verschiedenen Projektregionen erste Kontakte knüpfen.
An den beiden darauffolgenden Tagen nahmen die acht Schüler/innen des Gymnasiums am Schloss an folgenden Workshops teil:

  • „Faszination Luft- und Raumfahrttechnik“ im DLR-Schol-Lab, im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik Berlin (St. Smolka),
  • „Neurobiologie und Verhalten“ im NatLab an der FU Berlin (Y. Zewe):
    Grundlegende Experimente zur Reizaufnahme und –weiterleitung,

“Nach einer sehr langen Einführung ging es dann auch gleich zur ersten von 3 Stationen. Wir untersuchten die Netzhaut von Katzen, welche in Form eines Computerchips nachgebaut waren. Im Prinzip wandelten wir auf den Spuren des amerikanischen Nobelpreisträgers “George Wald”, der den Preis in der Kategorie “Physiologie oder Medizin” abgeräumt hat. Nach dieser Arbeit haben wir uns natürlich erst einmal ein leckeres Mittagessen in der Mensa verdient. Als wir gestärkt wieder in das Gebäude kamen, mussten wir verschiedene Bienen konditionieren, wie es der gute alte Russe Pawlow bereits mit seinen Hunden getan hat. Wir haben unzählige Testreihen durchlaufen und die Versuchstiere auf mehrere Arten lernen lassen um festzustellen, was die beste Methode ist. Am Samstag mussten wir dann den 3. und spannendsten Teil erledigen. Wir haben Kakerlaken die Beine abgeschnitten, und diese Beine dann auf unterschiedliche Arten gereizt. Wir haben die Aktionspotentiale verglichen, unsere Ergebnisse und Schlussfolgerungen in einer Power-Point-Präsentation festgehalten und mussten diese nachmittags vorstellen.“. (Y Zewe)

  • „Elektrochemie“ im NatLab an der FU Berlin (M. Eisel, P.Kubiniok) : Brennstoffzelle, industrielle Galvanik, elektrochemische Methoden im Nano-Maßstab,

„Der Workshop hat aus drei verschiedenen Experimenten bestanden, die man nacheinander durchlaufen konnte. Zuerst haben wir mit Hilfe eines Rastertunnelmikroskops (welches wir sowohl erklärt bekommen, als auch ansatzweise verstanden haben, da der Betreuer dieses Projekts sehr kompetent war) die Oberflächenstruktur von Gold und Kohlenstoff untersucht. Das 2. Experiment bestand aus 3 Teilen, sodass jede Gruppe nur ein Drittel des Experiments machen konnte, leider hatten Peter und ich das Pech das langweiligste Drittel zu übernehmen, nämlich das Waschen von Nanopartikeln mit Ethanol. Im 3. Experiment haben wir dann selber Nanoteilchen hergestellt. Zum einen Goldnanopartikel, zum anderen Nanopartikel einer Silber-Gold-Legierung. Insgesamt war der Workshop sehr interessant und die Teilnahme daran hat sich meiner Meinung nach auf jeden Fall gelohnt. Man hat auf jeden Fall einiges dazulernen können und kann ihn nur weiterempfehlen.“ (M.Eisel)

  • DNA-Analyse in Theorie und Praxis im Max-Planck-Institut Berlin (P. Mahdavi-Sabot, L.Schwindt):
    Einblick in die Bioinformatik als wichtiger Aspekt bei der Sequenzierung und Verarbeitung der DNA-Datenmengen,
  • Genetischer Fingerabdruck im gläsernen Labor auf dem Campus Berlin-Buch, einem der größten Biotechnologieparks Deutschlands, und in den Max Dellbrück Communications Centers (MDC.C) (S. Düwel, P. Ruth):

„Zuerst machten wir einen Rundgang über das Gelände und bekamen danach einen Vortrag im Labor 2000 über neue Untersuchungstechniken, Telemedizin und Lasertechnik, d.h. über neue Diagnosen-Möglichkeiten und Operationstechniken auf Distanz, wodurch .die Versorgung der Patienten besser wird. Mittel dafür sind z.B. HD, 3D, über Lichtfaser verlegbare Laserstrahlen, die Krebsgewebe erkennbar machen oder sogar abtöten, und die Möglichkeit, über die Ferne einen Gegenstand mit dem Tastsinn abzutasten. Den Nachmittag verbrachten wir im Neurolabor, wo wir Experimente zu Nervenleitgeschwindigkeiten und den Prinzipien unserer Gehirnstrukturen machten. Ich durfte z.B. einen kanadischen Regenwurm aus dem Angelshop, liebevoll ,,Würmli’’ genannt in eine Regenwurmkammer stecken, diese verkabeln und anschließend durch ungefährliche äußere Reize dessen Nervenleitgeschwindigkeit bestimmen.
Danach machten wir noch einen Versuch über Bewegungsmuster beim Lesen, bei dem ich beweisen konnte, dass ich ein Schnellleser bin, und anschließend präsentierten wir unsere Versuchsergebnisse vor der versammelten Gruppe. Am nächsten Morgen fuhren wir wieder um 8:30 nach Berlin-Buch in das Gläserne Labor, einem Labor der Bio-Sicherheitsstufe 1. Dort extrahierten wir zuerst DNA aus unserer Mundschleimhaut, bereiteten 3 Proben eines fiktiven Verbrechens ebenfalls genetisch auf und machten dann durch eine Agarose-Gelelektroporese einen genetischen Fingerabdruck von uns selbst und von unseren Tatort- und Verdächtigenproben. Schlussendlich übertrugen wir durch Genmanipulation DNA-Sequenzen, die Organismen unter UV-Strahlung zum Leuchten bringen, in E.coli Bakterien ein, welche prompt unter Schwarzlicht aufleuchteten.“ (P.Ruth)

„In dem zweitägigen Workshop zum genetischen Fingerabdruck sind wir in verschiedenen Schülerlaboren auf dem Gesundheitscampus der Berliner Universität Buch gewesen. Nach einem kurzen Rundgang und einer geschichtlichen Einführung haben wir neurobiologische Versuche, unter anderem zur Leitgeschwindigkeiten von Reflexen im Vergleich Mensch – Regenwurm gemacht. Sehr interessant waren die Entwicklungen des OP 2000. Dies ist eine Forschungsgruppe, die Programme für zukünftige Operationen entwickelt. So gibt es ein Programm mit dem man über einen Computer dreidimensionale Flächen fühlen kann. Dabei hat man einen Fühlsensor, mit dem man, während man im Computer über verschiedene Flächen, beispielsweise ein Gesicht fährt, verschiedene Widerstände und Oberflächen fühlt. Am zweiten Tag machten wir genetische Versuche. Dabei verglichen wir verschiedene DNA-Proben mit unseren eigenen. Außerdem haben wir Bakterien Farbstoffe von leuchtenden Quallen eingesetzt, so dass diese am Ende unter UV Licht die gleichen fluoreszierenden Eigenschaften hatten wie die Quallen. Im Großen und Ganzen war es ein gelungener Ausflug, der die im Biologieunterricht theoretisch erlernten Fähigkeiten in praktischen Versuchen widerspiegelte.“ (S. Düwel)

Bei ihrem Einblick in das Arbeitsleben der Wissenschaftler in den Laboren wurde den Schülern deutlich, dass Wissenschaft ein ständiger dynamischer Prozess ist und dass neben den aktuellen Forschungsthemen immer noch die Grundlagenforschung eine entscheidende Rolle spielt. Durch die Workshops konnten die Schüler/innen ihr theoretisches Schulwissen in der Praxis umsetzen und anwenden, was im Unterricht meist nur schwer möglich ist.

Nach zwei Tagen intensiver Arbeit in kleineren Gruppen kamen am letzten Tag noch einmal alle 300 Teilnehmer zusammen. Nach einem Vortrag des Motivationstrainers Christian Bischoff zum Thema „Zum Nachdenken und Handeln: Der positive Unterschied“ hatten die Schüler noch die Möglichkeit auf dem MINT-Zukunftsmarkt Informationen über verschiedene MINT-Studiengänge (Mathematik, Information, Naturwissenschaften, Technik, MINT-Lehramt), Studienförderprogramme (Friedrich-Ebert-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, Konrad-Adenauer-Stiftung, Stiftung der deutschen Wirtschaft (sdw)), Bundeswehr und Zivildienst (Bundesamt für Zivildienst), Duale Studiengänge (EWE AG Oldenburg und SMS Siemens-AG Siegen) zu sammeln.

MINT Experimentiercamp Berlin 2

Abschlussveranstaltung im Umweltforum Berlin
Von links nach rechts: S. Düwel, Y.Zewe, P. Kubiniok, M. Eisel, St. Smolka, P. Mahdavi-Sabot, L. Schwindt
kniend: P. Ruth