“Erinnere dich, was sie dir angetan haben…” – Schülerinnen nehmen an Gedenktag an die Befreiung von Auschwitz teil

Am 27. Januar jährte sich die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee zum 67. Mal. Der Holocaust, die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden, ist ein Ereignis, das man nie verstehen wird und nie verstehen kann. Diesen Ausgangspunkt nahmen sich die Organisatoren des Holocaust-Gedenktages in Saarbrücken, die Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft des Saarlandes (CJAS), zum Anlass, im Jahr 1996 eine Gedenkveranstaltung der besonderen Art in der Saarbrücker Johanniskirche und anderen saarländischen Orten ins Leben zu rufen.

Als Projekt für die Erinnerungskultur an den Holocaust wird seitdem jährlich am 27. Januar eine “Klangstele für das Hören – gegen das Aufhören” in der Saarbrücker Johanniskirche installiert. Neben einer Lesung der Namen und Nummern der Ermordeten aus dem “Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939 – 1945” und der Namen der deportierten und ermordeten Juden aus dem Saarland, werden auch Texte und Gedichte von Peter Weis, Paul Celan, Nelly Sachs u.v.a vorgelesen. Dies geschieht durch zwei Leser parallel an zwei Mikrofonen, die zudem über Lautsprecher auch außerhalb der Johanniskirche auf der Straße zu hören sind. Hinzu kommen Klänge und Musik von Luigi Nono und Arvo Pärt, so dass sich ein schwer verständliches akustisches Klang- und Stimmenwirrwarr, dessen schwere Verständlichkeit immer wieder unterbrochen wird, um genauer die Textbotschaften verstehen zu können, ergibt. Veranstalter Herr Prof. Dr. Jochum dazu: “Eine Veranstaltung, die Millionen industriell ermordeter Menschen gedenken will, darf nicht das Gefühl vermitteln, an einer ästhetisch schönen Veranstaltung teilgenommen zu haben, sie muss eher verstören, ja vielleicht sogar weh tun. Diesem Gedanken folgt die Gestaltung mit den synchronen Mikrofonen (Vergangenheit und Gegenwart, Tatsachen und Verarbeitungen), der aufwühlenden Musik Luigi Nonos und der kontemplativen von Arvo Pärt, die gelegentlich alles überdeckt und nichts mehr verstehen lässt. Am 2.Mikrofon sollte nach jedem Text eine Pause gemacht werden, so dass der Cantus firmus an Mikrofon 1 wieder hörbarer wird. Der “akustische Klang- und Stimmenwirrwarr” ist natürlich gewollt, sollte aber nicht die ganze Veranstaltung beherrschen.”

Auf dem Altar, neben dem die beiden Tische der Leser postiert sind, steht die Menora, der siebenarmige Leuchter als ein Symbol des Judentums, über dem das christliche Kreuz hängt. Zwischen Kreuz und Menora werden zudem die Opferzahlen der ermordeten Juden an die hintere Kirchenwand projiziert, die sich stündlich um 62500 erhöhen bis am Ende des 24-stündigen Gedenktags die Zahl 1500000 zu sehen ist, die als Zahl der in Auschwitz-Birkenau ermordeten und ums Leben gekommenen Juden angenommen wird. “Unser Gedanke dabei ist es, aufzuzeigen, wie Judentum und Christentum, das sich ja aus der jüdischen Religion entwickelte, miteinander zusammenhängen und was die beiden Religionen für immer trennt bzw. zwischen ihnen steht und sie andererseits auch verbindet: der Holocaust, symbolisiert durch die Zahl der ermordeten Juden”, erläuterte einer der Mitinitiatoren der Gedenkveranstaltung, Herr Patrick Wilhelmy, der selbst Religionslehrer am Max-Planck-Gymnasium in Saarlouis ist, die in der Art eines Triptychons angeordnete Installation.

An dieser Gedenkveranstaltung nahmen neben den Mitarbeitern des Projekts Johanniskirche auch Schülerinnen und Schüler des Warndtgymnasiums, der Willi-Graf-Schulen und erstmals auch des Gymnasiums am Schloss aktiv teil. Zehn Schülerinnen der Klassenstufen 10 und 11, die das Fach Geschichte am Gymnasium am Schloss gewählt haben, meldeten sich freiwillig, um in Begleitung von Herr Hoster für zwei Stunden als Leserinnen an der Gedenkveranstaltung teilnehmen zu können und somit einen Teil zur Erinnerung an die furchtbaren Verbrechen der Zeit des Nationalsozialismus beizutragen. Alle zeigten sich tief bewegt und von der Heftigkeit der Erfahrungen sehr beeindruckt.

Ein Dank gilt den anwesenden Schülerinnen Sophie Petry (Klasse 10a1), Marie Erbelding, Maria Kamalova, Angela Kirchhoff, Zoe Küntzler, Nora Küstenmacher, Anna Makarova, Caroline Nowak, Maren Peteranderl und Jacqueline Schaum (alle Klassenstufe 11) für ihr Engagement und ihren Wunsch, im Namen der Schule am Gedenktag mitzumachen. Vielen Dank auch an die Organisatoren, vor allem Herr Prof. Dr. Herbert Jochum und Herr Patrick Wilhelmy, die es den Schülerinnen des Gymnasiums am Schloss ermöglichten, am Gedenktag teilnehmen zu können. Die Teilnahme soll im kommenden Jahr fortgeführt werden.

Fachbereich Geschichte Gymnasium am Schloss