Ein Sommerkonzert mit drei Orchestern und begabten Solisten

Gymnasium am Schloss Saarbrücken und Albert-Schweitzer-Gymnasium aus Kaiserslautern kooperieren.

Es war nicht nur ein fulminanter Neustart nach der Corona-Zwangspause, sondern auch eine Premiere: Mit einem Sommerkonzert im VHS-Saal am Schloss in Saarbrücken haben sich die beiden Orchester des Gymnasiums am Schloss am Samstagabend hörbar eindrucksvoll zurückgemeldet. Und nicht nur sie, denn zum ersten Mal hatten sie sich mit dem Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG) aus Kaiserslautern zusammengetan, ebenfalls eine Schule mit Musikschwerpunkt. So saß dann auch dessen Orchester auf der Bühne, die am Ende nicht mehr ausreichte, da beim großen Finale alle beteiligen Schülerinnen und Schüler mit von der Partie waren: 50 junge Musikerinnen und Musiker, 27 davon vom Schloss-Gymnasium und 23 vom ASG.

Vor der Musik hatte erst einmal der stellvertretende Schulleiter Holger Blees das Wort. Und der begann mit einer Art freudigem Stoßseufzer: „Es ist wieder Leben in der Bude!“ Endlich sehe man die Gesichter der Kinder, fülle sich die Homepage mit einer guten Nachricht nach der anderen.

Und er kündigte an, dass an diesem Abend quasi ein Konzert-Triple gespielt werde: Beiträge, die zum Beethoven-Jahr 2020  gedacht waren, Ausschnitte aus dem Weihnachtskonzert, das Pandemie bedingt abgesagt werden musste, und eben das eigentliche Sommermusik-Programm. Dass sich hier nun zwei Schulen und drei Orchester über die Grenze des Bundeslands hinweg zusammengetan haben, sei auch der Hartnäckigkeit und dem Engagement aller Beteiligten geschuldet, die an ihrer Idee festhielten und einen wirklich langen Anlauf nehmen mussten.

Ab da war alles nur noch Musik, die mal zart, mal tänzerisch, mal fast melancholisch, mal feurig daherkam. Am Pult wechselten sich Julia Stodtmeister, Kiril Tsanevski (beide Gymnasium am Schloss), Holger Stodtmeister und Takeshi Pardall  (Albert-Schweitzer-Gymnasium Kaiserslautern) ab.

Eröffnet wurde der Abend musikalisch von den Jüngsten, der Schloss- Musik-Sinfonie, kurz SMS. Das Programm war - wie angekündigt - sehr abwechslungsreich, reichte von Beethovens „Contredance Nr. 6“ über das Lento aus Telemanns Sonate für Violoncello -  den Solopart übernahm hier mit elegantem Ton Aurelia Kalla - bis hin zum Stück der Griechin Eleni Karaindrou aus „Eternity and a day“. Beendet wurde dieser Teil mit einem Klaviersolo: Paul Gurti spielte Chopins „Fantaisie-Impromptu“ in wunderbaren Tonfarben und technisch souverän.

Die bunte Programmmischung sollte sich durch den ganzen Abend ziehen – die Bandbreite reichte vom Barock mit Vivaldi-, Händel- und Telemannstücken über Klassik und Romantik bis zur Filmmusik, etwa von Ennio Morricone.

Alle Orchester bewiesen dabei große Klangqualität, die intensiven gemeinsamen Probentage in Ottweiler hatten sich also gelohnt. Mal spielte das Samstags-Orchester des Schloss-Gymnasiums, mal das ASG-Orchester aus Kaiserslautern – und schon hier mischten sich die Stimmen, half etwa die Bratsche und die Geige aus Saarbrücken beim Gast-Orchester aus und umgekehrt.  

Ebenfalls ein roter Faden, die vielen kleineren und großen Sololeistungen, eingeleitet von Aurelia Kalla und Paul Gurti, fortgesetzt von Konstantyn Maslov (Oboe),  Mathilde Kemmerer (Oboe), Rahel Missal (Violine), Jovis Kaliunas (Violine), Thomas Anstett (Cello), Eleana Adams (Flöte). Ein atemberaubender Höhepunkt war hier der anspruchsvolle Csárdás des italienischen Komponisten  Vittorio Monti mit seinen getragenen Abschnitten und den furiosen Temposteigerungen, Martin Ettrich und Moritz Schumacher (Violine) faszinierten das Publikum, bewiesen technisch und mit beeindruckendem Ton schon Profi-Niveau. 

Passend schlugen die  beide großen Orchester zusammen eine Brücke mit Johannes Brahms‘ „Ungarischem Tanz Nr. 5“, bereits da war es so eng, dass einige nicht mehr sitzen konnten, sondern stehend spielten. Zum großen Finale ging sogar noch mehr, als wirklich alle mitmachten: auf, an und vor der Bühne. Für das Publikum klang dieser laue Sommerabend mit  Musik aus dem Musical „Les Misérables“ von Claude-Michel Schönberg aus. Als Zugabe gab es das Hauptthema aus dem Präludium des „Te Deum“ von  Marc-Antoine Charpentier,  besser bekannt als Eurovisions-Hymne. Ein mächtiger Klang – und sehr viel Applaus für diese geglückte Mission. Das macht eindeutig Lust auf mehr.

 

Ulrike Stumm

 

von Jochen Stief , 5. Juli 2022
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